share

Die Schenkelberg Druck Weimar GmbH wird zum Jahr 2026 komplett auf das Management-Informationssystem pagina|net umstellen

Die Schenkelberg Druck Weimar GmbH wird zum Jahr 2026 komplett auf das Management-Informationssystem pagina|net umstellen. Warum sich der Zeitungsbetrieb mit spezieller Ausrichtung für den Dortmunder Anbieter entschieden hat und wie die Software künftig eingesetzt wird, erläutert Geschäftsführer Matthias Mertens im nachfolgenden Gespräch.

Herr Mertens, können Sie zu Beginn einen kurzen Überblick über Ihr Unternehmen geben?

Mertens: Die Schenkelberg Druck Weimar GmbH gehört zur familiengeführten Schenkelberg Druck- und Medien-Gruppe, die in Meckenheim bei Bonn ihren Sitz hat. Die Druckerei, die im Industriegebiet von Nohra liegt, wurde 2003 mitsamt Gebäude und Lagerflächen von der FAZGruppe übernommen und lange Zeit parallel zur Druckerei in Meckenheim betrieben. Seit 2019 sind wir der alleinige Produktionsstandort der Gruppe.

Wo liegt Ihr Schwerpunkt und wie groß ist die Druckerei?
Mertens: Wir arbeiten mit einer klassischen Zeitungsdruckmaschine, stellen aber keine Tageszeitung her. Konkret heißt das: Wir drucken alles, was im Berliner Format hergestellt werden kann, also Anzeigenblätter und Amtsblätter, aber auch Mitarbeiterzeitungen und Werbesendungen für Discounter und Handelsunternehmen. Zu unserem Spektrum zählen darüber hinaus Roman- und Rätselhefte, was uns von vielen anderen Zeitungsbetrieben abhebt. Wir beschäftigen rund 60 festangestellte Mitarbeitende und etwa ebenso viele Aushilfskräfte. Diese arbeiten im Drei-Schicht-Betrieb.

Können Sie noch etwas zur eingesetzten Technik sagen?
Mertens: Wir erstellen Publikationen und Werbemedien mit bis zu 32 Seiten im Berliner Format bzw. 64 Seiten im halben Berliner Format in einem Durchgang. Aufgrund unserer weltweit einzigartigen Zeitungsdruckmaschine, die von Schenkelberg und einem Maschinenbauer entwickelt wurde, können wir auch Sonderformate produzieren, zum Bespiel den Altarfalz. Pro Stunde lassen sich mit der Maschine bis zu 70.000 Exemplare herstellen. Bis zu 14 Beilagen können automatisiert eingesteckt werden.

Warum brauchen Sie ein neues MIS?
Mertens: Wir haben in der Vergangenheit vor allem mit Excel-Tabellen und einer selbstentwickelten Datenbank gearbeitet. Immer neue Anforderungen, wie zum Beispiel der CO2-Rechner, die elektronische Rechnungsstellung oder die künftigen EUDR-Regeln, machten deutlich, dass diese Struktur nicht mehr effektiv ist und viel Aufwand und händische Arbeit fordert. Kurzum: Das, was wir jetzt haben, ist einfach nicht mehr ausreichend und zukunftsfähig.

Wie sind Sie bei der Auswahl einer neuen Software vorgegangen?
Mertens: Wir haben uns im Markt umgesehen und nach passenden Lösungen gesucht. Dabei wurde deutlich, dass es für den Zeitungsdruck mit unseren Anforderungen nur ganz wenige passende Lösungen gibt. Die meisten Systeme sind stark auf Bogen- oder Akzidenzdruck ausgelegt, weswegen einige der angefragten Unternehmen auch gleich ablehnten. Die Auswahl reduzierte sich dadurch schon deutlich.

Was erwarteten Sie vom neuen Anbieter?
Mertens: Wichtig war uns, einen Anbieter auf Augenhöhe zu finden, der zu einem inhabergeführten Mittelständler passt sowie kurze Entscheidungswege und Flexibilität bietet. Große Systeme wie zum Beispiel SAP kamen darum nicht infrage. Bei PaginaNet hatten wir den Eindruck, dass das System nicht einfach übergestülpt wird, sondern an unsere Anforderungen angepasst werden kann. Das hat sich in der bisherigen Einführungsphase auch bestätigt.

Gab es eine spezielle Anforderungsliste, der Sie gefolgt sind?
Mertens: Vor rund zehn Jahren haben wir uns schon einmal intensiv mit dem Thema beschäftigt, damals noch mit zwei Standorten und entsprechend anderen Anforderungen. Die Projektplanungen, die wir damals entwickelten, haben wir in diesem Jahr erneut genutzt, jedoch auf die neuen Bedingungen und Zukunftsanforderungen angepasst.

Welche Bereiche deckt pagina|net künftig bei Ihnen ab?
Mertens: Wir werden pagina|net für alles nutzen, das irgendwie mit dem Begriff MIS in Verbindung steht. Konkret heißt das: Wir werden kalkulieren, Angebote erstellen und die gesamte Produktionsplanung und -steuerung mithilfe der Plantafel vornehmen. Die Nachkalkulation, die Rechnungstellung und die Warenwirtschaft erfolgen ebenfalls über pagina|net. Ein wichtiges Element stellt außerdem die Betriebsdatenerfassung dar. Eine speziell programmierte Schnittstelle zur Druckmaschine wird Mengen, Verbräuche und Zeiten akkurat an das System zurückspiegeln.

Mit anderen Worten: Alles läuft künftig über das MIS?
Mertens: Nicht ganz. Weil wir nur wenige verschiedene Papiersorten benötigen und dafür unsere Lieferanten haben, verzichten wir auf das Modul zum Papiereinkauf. Auch bei der Buchhaltung nutzen wir nicht alles, was PaginaNet bietet. Das hängt damit zusammen, dass diese zentral in Meckenheim gemacht wird. Wir nutzen deshalb die in pagina|net vorhandene DATEV-Schnittstelle.

Eine wichtige Frage ist heute: Cloud oder nicht? Wie handhaben Sie dieses Thema?
Mertens: Wir sind der Überzeugung, dass wir immer schnell auf produktionsrelevante Daten zugreifen können müssen – darum setzen wir generell nur auf Server im eigenen Haus. Auch pagina|net wird lokal betrieben. Relevant für diese Sicherheitsstrategie sind auch Geschichten von Baggern, die Leitungen zerstört haben. Wir haben für unsere OnPremise-Strategie unsere Hardware erweitert und gemeinsam mit externen Dienstleistern die Infrastruktur angepasst.

Werden spezielle Schnittstellen programmiert?
Mertens: Ja, es werden spezielle Schnittstellen programmiert. Eine davon ist die bereits erwähnte zur Druckmaschine. Sie sorgt dafür, dass Auftragsdaten aus pagina|net an die Druckmaschine übertragen und Maschinendaten zurückgespielt werden. Über die Schnittstelle werden auch spezielle Sonderformate übermittelt. Zusätzlich lassen wir eine Schnittstelle entwickeln, um Kundendaten in einem festgelegten Format automatisch einlesen zu können.

Wann soll das System vollständig live gehen?
Mertens: Die Implementierung läuft. Wir werden eine Zeit lang parallel fahren, um einen sauberen Übergang sicherzustellen. Ziel ist, Anfang des kommenden Jahres vollständig auf pagina|net umzusteigen.

Welche Vorteile versprechen Sie sich langfristig?
Mertens: Wir erwarten mehr Transparenz, weniger manuelle Arbeitsschritte und eine bessere Integration zwischen Vertrieb, Arbeitsvorbereitung und Produktion. Durch standardisierte Vorlagen können wir Aufträge schneller kalkulieren und auch neue Mitarbeitende einfacher einarbeiten. Gleichzeitig behalten wir die Flexibilität, die unser Geschäftsmodell erfordert.